Manche Dinge sind so wertvoll, dass die ganze Menschheit darüber wachen muss: Kultur- und Naturgüter von aussergewöhnlichem universellem Wert. Die UNESCO hat die Aufgabe, solch ideelle Werte zu vertreten und zu schützen – zusammen mit uns allen.

Die UNESCO

Die Leitidee der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) lautet: «Da Kriege im Denken der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geiste der Menschen verankert werden». Sie steht in der Präambel ihrer Verfassung.
Als Sonderorganisation innerhalb des UNO-Systems trägt die UNESCO durch Förderung der Bildung, Wissenschaft, Kultur, Kommunikation und Information zur Wahrung des Friedens, zur Bekämpfung der Armut, zu nachhaltiger Entwicklung und zum interkulturellen Dialog bei. Die UNESCO ist ein weltweites Forum für intellektuelle Zusammenarbeit und für den Austausch von Informationen, Erfahrungen und Ideen.

Welterbe als revolutionäre Idee

Was die Natur in Jahrmillionen oder Jahrtausenden geschaffen, was die Menschheit in Jahrhunderten aufgebaut hat, soll bewahrt werden. Der Schutz und die Erhaltung dieser Schätze sollen in die Obhut der gesamten Menschheit gestellt werden – das ist die zentrale, revolutionäre Idee des Welterbes. Die Rettung der Tempel von Abu Simbel war die Geburtsstunde der UNESCO-Konvention von 1972, die sich dem Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt verpflichtet hat.

Annähernd tausend Stätten sind unterdessen auf der Welterbeliste verzeichnet, darunter elf aus der Schweiz. Sie sind von aussergewöhnlichem universellem Wert, wie z.B. die Pyramiden in Ägypten, das Great Barrier Reef in Australien, die Galápagos-Inseln in Ecuador oder der Yellowstone Nationalpark und der Grand Canyon in den USA.

Die Fachbehörden

Als Fachbehörden des Bundes für den Heimat- und Naturschutz sind das Bundesamt für Kultur (BAK) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) für die Begleitung und wissenschaftliche Unterstützung der Welterbestätten zuständig. Die Schweizerische UNESCO-Kommission (SUK) koordiniert im Inland alle involvierten Akteure, sie vermittelt die Welterbestätten als Ganzes und sensibilisiert die Öffentlichkeit für die Werte des Welterbes. Die Sektion UNESCO des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ist für die institutionellen Beziehungen auf internationaler Ebene zuständig. Die ständige Delegation der Schweiz bei der UNESCO in Paris stellt die diplomatischen Beziehungen zu den Organen der UNESCO sicher. Vor Ort sichern die Site Manager der Stätten die Bewahrung und Förderung der Kultur- und Naturstätten, unter Mitwirkung der wissenschaftlichen, kulturellen, politischen und touristischen Verantwortlichen und im Einvernehmen mit der lokalen Bevölkerung.

Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste

Mit der Unterzeichnung der Welterbekonvention erkennen die Vertragsstaaten die internationale Verpflichtung an, die innerhalb ihrer Grenzen gelegenen Welterbestätten zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten. Die anderen Unterzeichnerstaaten tragen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zum Schutz dieser Stätten des Menschheitserbes bei.

Bei der Auswahl von Natur- oder Kulturstätten für die UNESCO-Welterbeliste ist der erste Schritt, potentielle Welterbestätten zu identifizieren. Hierzu dienen sogenannte Vorschlagslisten (tentative lists), die von den Vertragsstaaten erstellt werden. Es ist Sache jedes Vertragsstaates, die in seinem Hoheitsgebiet befindlichen Stätten, die ihm für die Aufnahme in die Welterbeliste geeignet erscheinen, zu erfassen und zu bestimmen. Nur auf Vorschlag der Vertragsstaaten kann ein Kultur- oder Naturgut in die Welterbeliste aufgenommen werden. Die Einschreibung in die Liste bedarf der Zustimmung der jeweiligen Regierung. Die Schweiz hat entschlossen bis 2018 keine neuen Kandidaten zu bestimmen.

Die Entscheidung, welche der vorgeschlagenen Stätten in die Welterbeliste aufgenommen werden, hat das UNESCO-Welterbekomitee  zu treffen. Dabei wird es von drei beratenden Fachgremien unterstützt, dem Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS), dem Internationalen Studienzentrum für die Erhaltung und Restaurierung von Kulturgut (ICCROM) und der Weltnaturschutzunion (IUCN).

Bei der Auswahl richtet sich das Komitee nach den Kriterien, die in der Konvention festgelegt sind. Das wichtigste Auswahlkriterium ist der aussergewöhnliche universelle Wert eines Kultur-oder Naturerbes. In den Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur-und Naturerbes der Welt sind die Auswahlkriterien weiter differenziert. Wesentliche Kriterien sind die Einzigartigkeit, die Authentizität (historische Echtheit) und die Integrität (Unversehrtheit) der Stätte.

Gelebte Nachhaltigkeit im Biosphärenreservat

Biosphärenreservate sind Modellregionen, in denen nachhaltige Entwicklung täglich verwirklicht wird. Hier bemühen sich Einwohner und Unternehmer, die ökologische Verantwortung, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die gesellschaftliche Solidarität in Einklang zu bringen. Eine nachhaltige Entwicklung erfüllt die Ansprüche der Gegenwart. Zugleich stellt sie sicher, dass auch die Bedürfnisse künftiger Generationen befriedigt werden. In der Schweiz gibt es zwei Biosphärenreservate: Val Müstair Parc Naziunal im Kanton Graubünden und das Entlebuch im Kanton Luzern.

Ein Auftrag an die Menschheit: Wir alle sind aufgerufen, zu diesem wertvollen Erbe Sorge zu tragen und die Weitergabe an künftige Generationen sicher zu stellen – die UNESCO hilft dabei.