Silvio Frigg, Bereichsleiter in der Stiftsbibliothek St.Gallen erzählt:

Wie ich zur Stiftsbibliothek St.Gallen kam

Mit den Filzpantoffeln durch den Barocksaal gleiten und die Mumie Schepenese bestaunen. An diesen Moment erinnert sich jedes Kind, welches in St.Gallen und Umgebung aufgewachsen ist – so auch ich. Als gebürtiger St.Galler standen während meiner Schulzeit etliche Besuche in der Stiftsbibliothek auf dem Programm. Lehrer versuchten damals, uns für die einmalige Überlieferung zu begeistern. Meine Freude für Bücher kam dann allerdings erst Jahre später, nämlich während meiner Studienzeit in Germanistik und Kunstgeschichte. Seit nun mehr als 17 Jahren arbeite ich in der Stiftsbibliothek St.Gallen. Heute als Bereichsleiter Zentrale Dienste bin ich unter anderem mitverantwortlich für den Erhalt und die Sicherheit der gedruckten Bücher und Handschriften. Eine faszinierende Arbeit, bei der ich immer wieder intensiv mit externen Fachleuten in Kontakt bin.

Mein Lieblingsort

Stehen Sie im Säulengang um die Rotunde, direkt neben der grossen Kuppel in der Kathedrale. Lässt man hier den Blick schweifen, sieht man die Reliefs aus der Hand von Johann Christian Wentzinger zum Leben des Heiligen Gallus. Der gestalterische Mut von Wentzinger im Umgang mit grossen leeren Flächen und Figuren, sucht seinesgleichen. Hier zeigt sich an der Ausschmückung und an der Architektur die einmalige Qualität der in St.Gallen tätigen Barockmeister.

Meine Empfehlung

Die ideale Besuchszeit des Stiftsbezirks St.Gallens ist in den Wintermonaten. Denn dann liegt ein Nebelschleier über der Stadt St.Gallen und verleiht dem UNESCO-Weltkulturerbe eine geheimnisvolle Stimmung. Die Ruhe in diesen Zeiten erinnert ein wenig an das frühe Kloster, das 1805 aufgehoben wurde. Mit dem Audio-Guide können das Areal, die Kathedrale und die Stiftsbibliothek auf eigene Faust erkundet werden. Gönnen Sie sich ab und an einen stillen Moment und lassen Sie das mächtige Welterbe auf sich einwirken.

Oktober 2016

Mein Welterbe