Marikit Taylor, Historikerin, spezialisiert auf die Erhaltung und Förderung des architektonischen Erbes, erzählt: 

Welche Rolle spielen Sie hier in diesem Welterbe?
Ich bin Historikerin, die sich auf die Erhaltung und Förderung des architektonischen Erbes - insbesondere das von La Chaux-de-Fonds - spezialisiert hat. Ich mache auch viele Führungen..

Welchen Bezug haben Sie dazu?
Ich bin nach La Chaux-de-Fonds gekommen, um im Bereich Geschichte und Kulturerbe zu arbeiten. Ich habe die Stadt mit all ihren Ecken und Winkeln kennengelernt. Besonders schätze ich all die vielen kleinen Dinge, die sie so schön machen, die man aber nicht unbedingt auf den ersten Blick sieht. Die meisten meiner Forschungen und Veröffentlichungen befassen sich mit der Uhrenmetropole. Ich habe sogar mein Doktorat darüber verfasst!

Welches ist Ihr Lieblingsort in der Welterbestätte? Haben Sie einen Geheimtipp?
Mir gefällt besonders der Industriebezirk, der abseits der gängigen Wege liegt. Die kleine Schmiede in der Rue des Terreaux 10A zeugt vom Leben in einer anderen Zeit. Mein Rat ist, sich die Zeit zu nehmen, die geraden Strassen entlang zu schlendern und in den Geist des 19. Jahrhunderts einzutauchen. Diese Spuren sind überall vorzufinden - sei es in der unendlichen Zahl alter, verzierter schmiedeeiserner Tore, den "trompe l'oeil"-gemalten Treppenhäusern voller Blumen- und Landschaftsmotive oder auch den Dächern, auf denen alte Schneezäune daran erinnern, dass dies eine Stadt in den Bergen ist. Ein Besuch in der Wohnung Spillmann ist faszinierend: Sie gibt Ihnen einen Einblick in den Alltag der Arbeiter in den alten Uhrenfabriken und gleichzeitig können Sie den hiesigen Jugendstil, den so genannten "Tannenstil" (Style Sapin), entdecken. Die Wohnung kann im Rahmen einer von Tourisme Neuchâtelois angebotenen "Jugendstil"-Führung besichtigt werden. Kostenlose thematische Broschüren sind auch im Tourismusbüro oder online erhältlich - falls Sie die Geheimnisse der Stadt auf eigene Faust entdecken wollen.

Wann ist die beste Besuchszeit und warum?
Im Herbst, wenn man den Altweibersommer mit all seinen Vorzügen geniessen kann. Aber für mich persönlich ist die zauberhafteste Zeit der Winter, wenn alles in Weiss getaucht ist und der Rauch über die Schornsteine wirbelt. Es ist wunderschön.

Welche Aktivitäten empfehlen Sie besonders?
Ich denke, die Stadt lässt sich am besten in Anwesenheit eines Führers entdecken, da sie zunächst etwas irritierend sein kann. Am liebsten besuche ich eine der ersten Villen von Le Corbusier. Charles-Edouard Jeanneret wurde zum grössten Architekten des 20. Jahrhunderts, aber wir vergessen oft, dass seine ersten Werke hier sind. Ich empfehle auch die Führungen "à l'horaire", die günstig sind und für die man sich nicht im Voraus anmelden muss. So können Sie zum Beispiel die Wohnung von Spillmann am besten entdecken. Die Aussicht vom Aussichtspunkt Espacité und das Anschauen des Films im Espace de l'urbanisme Horloger sind ebenfalls ein Muss.

November 2017

Unser Welterbe