Zwei Städte mit dem besonderen Tick

Eine Architektur, die dem Licht hohe Priorität einräumt, und eine urbane Struktur, die den Verkehr erleichtert: La Chaux-de-Fonds und Le Locle sind gelungene Symbiosen von Urbanistik und Uhrenindustrie. Ihre Bauten zeugen von der lokalen Handwerks- und Industriegeschichte und zeigen, dass die Uhrmacherei in die Entwicklung der Stadtlandschaft eingebunden wurde. Weltkulturerbe seit 2009.

Wer wirkt hinter den Kulissen von La Chaux-de-Fonds und Le Locle?



Geschichte

Es ist nicht erstaunlich, dass die ersten Familienateliers sich in Bauernhäusern finden. Die Winter in den Jurahöhen sind streng und lang, sodass die landwirtschaftliche Aktivität reduziert wird. Die Bauernfamilien hatten daher Zeit, mit andern Tätigkeiten ihr mageres Auskommen zu verbessern. Eine Möglichkeit bot die Uhrmacherei. Wenn wir die älteren Häuser der zwei Städte aufsuchen, erkennen wir schnell deren bäuerlichen Stil oder Elemente von Bauerhäusern. Sie sind noch ganz der Idee vom offenen Land verpflichtet, weshalb sie eine kleine Grünzone umgibt. Die Konzession an die Uhrenarbeit, die Licht erheischt, besteht darin, dass die Küche in der Mitte des breiten Hauses, also im dunkelsten Teil, angebracht ist. Sehr rasch ging man aber zum Bau schlankerer, dafür höherer Bauten über, die mehr Licht hereinliessen. Im Gegensatz zu der von Grünzonen umgebenen Hausinsel vermitteln die neueren Bauten einen urbanen Eindruck. Sie werden unmittelbar am Strassenrand errichtet, und lediglich die Rückseite kennt noch eine grüne Fläche, den keinen Garten. Diese Dreiteilung Strasse/Haus/Garten wird der Städteplaner Charles-Henri Junod später in seinen Entwürfen für La Chaux-de-Fonds und Le Locle übernehmen.

Die Wettbewerbsanforderungen der Uhrenfabrikation verlangen gegen das Ende des 19. Jahrhunderts, dass bisherige Verlagssystem zugunsten der mechanisierten Produktion zurücktreten muss, was sich auch in der Architektur widerspiegelt. Die grundsätzliche Anordnung der früheren Gebäude wird erweitert, indem ein Atelier an das Haus angebaut und mit durchgehenden Fenster versehen wird. Die Fabrik schliesslich stellt eine Steigerung in diesem Mechanisierungsprozess dar. Die Wohnung respektive die Villa des Arbeitgebers wird dabei entweder an die Fabrik angebaut oder in der Nähe autonom erstellt, während die Arbeiter in Wohnblocks in der Nähe untergebracht sind.

Als La Chaux-de-Fonds 1794 und Le Locle 1833 niederbrennen, werden diese Katastrophen für eine eigentliche Stadtplanung genutzt. Charles-Henri Junod stellt 1836 für Le Locle und 1841 für La Chaux-de-Fonds die Pläne her. Er schliess an die alten Dorfkerne Häuserzeilen an, die parallel von einer Hauptachse ausgehen, die sich in der Talsohle hinzieht. Diese Häuserzeilen können beliebig verlängert werden. Strassen durchbrechen die Zeilen im rechten Winkel, sodass sich ein schachbrettartiges Muster ergibt. Junos Stadtbild basiert nicht auf einer utopischen Vorstellung. Es liegt ihm vielmehr ein rationales, pragmatisches und effizientes Nutzungsschema zu Grunde, das bis heute nachwirkt.

Wussten Sie?

• 1900 wurde über die Hälfte der weltweit produzierten Uhren in La Chaux-de-Fonds und Le Locle hergestellt.
• In weniger als zehn Jahren (1878 –1887) wurden in La Chaux-de-Fonds drei Persönlichkeiten mit Weltruhm geboren: Louis-Joseph Chevrolet, Charles-Edouard Jeanneret (Le Corbusier) und Blaise Cendrars.

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    Jura, Drei-Seen-Land