Elke Larcher, Leiterin der Kommunikation und des Klostermuseums im UNESCO Weltkulturerbe Kloster St. Johann Müstair erzählt:

Wie ich nach Müstair kam
Seit nunmehr neun Jahren lebe und arbeite ich am östlichsten Zipfel der Schweiz. Mit dem Kloster habe ich einen Ort gefunden, der tiefgründiger, reicher und kraftvoller nicht sein könnte. Mein Wirken hier ist nur ein Hauch in der über 1200 Jahre andauernden, wechselvollen Geschichte des Klosters. Hier habe ich viel über Archäologie und Kunstgeschichte gelernt, habe aber vor allem die Regeln des Hl. Benedikt näher kennen gelernt und die immensen Möglichkeiten, die dieses kleine, kompakte Büchlein uns auch ausserhalb der Klostermauern bereit stellt. Noch heute leben hier elf Nonnen nach dem geregelten benediktinischen Rhythmus des „ora et labora et lege“.

Mein Geheimtipp
Am meisten sitze ich in meinem Büro in der Bauhütte. Gerne gehe ich aber auf den liebevoll angelegten Friedhof mit dem grossen Lindenbaum, dann in die Kirche und geniesse diesen Kraftort in Stille oder dem Gebet der Nonnen lauschend. Manchmal schreibe ich auch einen Dank, eine Bitte oder einen Gedanken auf ein mit einer Papierrose liebevoll gestaltetes Blatt Papier in der Gnadenkapelle und hänge es auf die Votivwand auf. Ich weiss, Sr. Aloisia kommt es abnehmen und all diese Gedanken, die hier auf dieser Wand gebündelt sind, werden von den Schwestern mit ins Gebet genommen. Oder ich gehe ins Museum zur romanischen Madonna, eine Skulptur aus dem 13. Jahrhundert: ruhig und würdevoll sitzt die Mutter da, ihr Sohn auf ihrem Schoss.

Was ich empfehle
Allen, die in die Val Müstair kommen, empfehle ich, sich Zeit zu nehmen. Bereits die Reise durch den Nationalpark und die Biosfera ist ein Erlebnis. Geniessen Sie einen Besuch im Kloster St. Johann in Müstair, hören Sie dem Stundengebet der Nonnen zu, öffnen Sie sich der Geschichte und der Kunst. Gepaart mit einem Spaziergang rund ums Kloster wird der Tag ein erfüllter sein und innere Ruhe wird sich im Herzen und in der Seele breit machen. Und plötzlich ist da das Gefühl, einmal ordentlich wieder Kraft getankt zu haben! Ich wünsche Ihnen allen dieses tiefgreifende Erlebnis!

März 2016

Mein Welterbe